{"id":10572,"date":"2020-12-14T10:53:50","date_gmt":"2020-12-14T09:53:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wespeakiot.com\/?p=10572"},"modified":"2025-06-10T11:54:33","modified_gmt":"2025-06-10T09:54:33","slug":"datenmissbrauch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wespeakiot.com\/de\/datenmissbrauch\/","title":{"rendered":"Datenmissbrauch: Wenn zu viele Daten Begehrlichkeiten wecken"},"content":{"rendered":"<div class=\"ccfic\"><span class=\"ccfic-text\">Quelle: pixabay<\/span><\/div>\n<h2>Wenn uns das Internet der Dinge etwas lehrt, dann dass Daten zu seinem wertvollsten Gut geh\u00f6ren. Unternehmen nutzen Sie, um Produktionsprozesse zu optimieren, die Logistik zu verbessern oder einfach den Output zu erh\u00f6hen. Aber Daten sind auch f\u00fcr die Sicherheitsbeh\u00f6rden von Wert. Allerdings sollten sie vertraulich behandelt werden. Leider ist das selten der Fall. In der langen Liste globalen Datenmissbrauchs durch \u00f6ffentliche Stellen, hat j\u00fcngst das Los Angeles Police Department die Nutzung von Gesichtserkennung-Software untersagt. Polizisten hatten diese unerlaubt eingesetzt. Doch das ist bei weitem nicht das einzige Missbrauchsbeispiel. Datenschutz erscheint heute wichtiger denn je.<\/h2>\n<p>Daten helfen uns, fr\u00fchzeitig Probleme zu erkennen und rechtzeitig darauf zu reagieren. Seiten wir Daten intelligent ein, k\u00f6nnen wir Staus vermeiden , rechtzeitig vor Unwettern warnen oder wir k\u00f6nnen Maschinen reparieren, noch bevor sie endg\u00fcltig kaputt sind. Naiv gesprochen: Die Kombination aller m\u00f6glichen Daten k\u00f6nnen uns helfen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Leider kommt stets der menschliche Faktor ins Spiel. Denn wo immer Daten generiert werden, ist Missbrauch so gut wie sicher.<\/p>\n<p>Fl\u00e4chendeckende Kamera\u00fcberwachung, Hintert\u00fcrchen in verschl\u00fcsselten Applikationen, Vorratsdatenspeicherung. Das ist der Stoff von den Regierungen tr\u00e4umen. W\u00e4hrend das in totalit\u00e4ren Systemen kein Problem darstellt, haben diese feuchten Tr\u00e4ume der Kontrollfanatiker in Demokratien h\u00f6here H\u00fcrden zu \u00fcberwinden. Deswegen werden ja immer wieder Argumente wie Terrorismusbek\u00e4mpfung, Kindesmissbrauch oder andere f\u00fcrchterliche Verbrechen als Rechtfertigung f\u00fcr die weitere Aufweichung von Datenschutz und Privatsph\u00e4re angef\u00fchrt. Das ewige Argument: Es w\u00fcrde nat\u00fcrlich strenge Regeln geben, um Missbrauch zu vermeiden.<\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t hat diese Versprechen in der Vergangenheit allerdings meist gestraft.<\/p>\n<h3>Datenmissbrauch von staatlicher Seite<\/h3>\n<p>Gut, wir sollten nicht \u00fcberrascht sein, dass in totalit\u00e4r regierten L\u00e4ndern smarte Technologien genutzt werden, um die gesamte Bev\u00f6lkerung zu \u00fcberwachen, oder, wie das Beispiel Saudi Arabien zeigt, besonders Frauen. Dort k\u00f6nnen die Einwohner des Landes die <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/news\/2019\/05\/06\/saudi-arabias-absher-app-controlling-womens-travel-while-offering-government\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;Absher App&#8220; benutzen: eine Online Regierungs-Plattform um etwa die Dienste des Innenministeriums<\/a> zu nutzen. Die App erlaubt es, sich Ausweise oder einen Reisepass ausstellen oder verl\u00e4ngern zu lassen, Strafzettel zu bezahlen oder Visaangelegenheiten zu erledigen. Da nach saudischem Recht Frauen einen m\u00e4nnlichen &#8222;Aufseher&#8220; ben\u00f6tigen, kann die Absher App aber auch dazu benutzt werden, Frauen die Beantragung von Papieren &#8211; etwa f\u00fcr eine geplante Reise f\u00fcr sich oder ihre Kinder- zu untersagen. W\u00e4hrend die App zwar nicht die Bewegungsprofile der Frauen in Echtzeit speichert, informiert sie den jeweiligen &#8222;Aufpasser&#8220; &#8211; also meist den Ehemann &#8211; automatisch, wenn eine Frau Papiere beantragt hat.<\/p>\n<div id=\"attachment_10568\" style=\"width: 984px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10568\" class=\"size-full wp-image-10568\" src=\"https:\/\/www.wespeakiot.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/absher-app.jpg\" alt=\"Absher App Google Store\" width=\"974\" height=\"565\" \/><p id=\"caption-attachment-10568\" class=\"wp-caption-text\">Google und Apple sind in die Kritik geraten, da sie die Absher App bislang noch nicht aus ihren Appstores entfernt haben.<\/p><\/div>\n<p>W\u00e4hren einen das Beispiel Saudi Arabien nicht weiter \u00fcberrascht, gibt es aber auch F\u00e4lle in Demokratien, die die Privatsph\u00e4re ihrer B\u00fcrger nicht wie versprochen achten. So waren w\u00e4hrend der Pandemie in Deutschland Restaurantbetreiber dazu verpflichtet, genau Buch zu f\u00fchren \u00fcber alle G\u00e4ste die dort ein- und ausgingen. Hintergrund war nat\u00fcrlich die schnelle Benachrichtigung Betroffener im Falle einer Infektion mit Covid-19. Und nur daf\u00fcr sollten die Daten genutzt werden &#8211; so zumindest das Versprechen. Es stellte sich aber schnell heraus, dass <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/faelle-aus-fuenf-bundeslaendern-bekannt-polizei-nutzt-kontaktdaten-aus-restaurants-auch-zur-strafverfolgung\/26056130.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">mindestens f\u00fcnf Bundesl\u00e4nder die Besucherdaten auch f\u00fcr die Verbrechensbek\u00e4mpfung missbrauchten<\/a>. Ein klarer Vertrauensbruch an diejenigen, die an den guten Zweck glaubten.<\/p>\n<p>Das Los Angeles Police Department (LAPD) ist j\u00fcngst ins Kreuzfeuer geraten, da die Polizisten dort eine nicht autorisierte Gesichtserkennungssoftware in Kombination mit Bildern aus \u00dcberwachungskameras eingesetzt haben. Zwar hatte man das Treiben lange verneint, investigative Journalisten fanden aber heraus, <a href=\"https:\/\/www.latimes.com\/california\/story\/2020-09-21\/lapd-controversial-facial-recognition-software\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dass der Datenmissbrauch mit der Gesichtserkennsungssoftware in den vergangen zehn Jahren rund 30.000 Mal vorgekommen ist<\/a>. W\u00e4hrend die Verteidiger solcher Technologien mit einer besseren Verbrechensaufkl\u00e4rung argumentieren, geben die Kritiker zu bedenken, dass <a href=\"https:\/\/www.theverge.com\/2019\/12\/20\/21031255\/facial-recognition-algorithm-bias-gender-race-age-federal-nest-investigation-analysis-amazon\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die Gesichtserkennung immer noch nicht akkurat arbeitet und es zu viele Fehlerquoten produziert<\/a>. Vor allem Frauen, Kinder, \u00e4ltere Menschen und bestimmte Ethnien w\u00fcrden von der Software oft nicht richtig erkannt. Au\u00dferdem kann diese Software, gelangt sie in die falschen H\u00e4nde, von politischen Gegnern schnell missbraucht werden. <a href=\"https:\/\/threatpost.com\/lapd-facial-recognition-privacy-concerns\/161364\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Letztendlich hat das LAPD die Nutzung der Gesichtserkennungssoftware zumindest offiziell verboten<\/a>. Allerdings nicht, weil man die Software an sich eingesetzt hat, sondern weil man die<a href=\"https:\/\/www.buzzfeednews.com\/article\/briannasacks\/lapd-banned-commercial-facial-recognition-clearview?scrolla=5eb6d68b7fedc32c19ef33b4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> Software eines Anbieters verwendet hat, die sich zum Abgleich der Bilder aus \u00f6ffentlichen Quellen wie etwa Social Media Profilen bedient hat<\/a>.<\/p>\n<h3>K\u00f6nnen wir dem System vertrauen?<\/h3>\n<p>Datenschutz wird weltweit unterschiedlich betrachtet. W\u00e4hrend in Europa besonders in Deutschland das Thema Privatsph\u00e4re so hoch im Kurs steht, dass man dies sogar anhand der verf\u00fcgbaren Bilder von Google Streetview erkennen kann, ist man in den angrenzenden Staaten etwas l\u00e4ssiger im Umgang damit. &#8222;Ich habe ja nichts zu verbergen&#8220;, h\u00f6rt man h\u00e4ufig von denen, die sich nicht so sehr um ihre Privatsph\u00e4re scheren. Aber ist das der Fall? Sind zu viele Daten vorhanden, weckt das Begehrlichkeiten.<\/p>\n<div id=\"attachment_10564\" style=\"width: 781px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10564\" class=\"size-full wp-image-10564\" src=\"https:\/\/www.wespeakiot.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/google-street-view-europe.jpg\" alt=\"Google Streetview comparison Europe\" width=\"771\" height=\"432\" \/><p id=\"caption-attachment-10564\" class=\"wp-caption-text\">Google StreetView Abdeckung aus europ\u00e4ischer Perspektive: Es sieht so aus, als w\u00fcrden besondes die Deutschen (und \u00d6sterreichen) Kameras in den Stra\u00dfen nicht so sehr sch\u00e4tzen.<\/p><\/div>\n<p>In Zeiten von &#8222;Fake News&#8220; und dem Aufstieg von Staatslenkern die mit totalit\u00e4ren Methoden flirten kann &#8222;ich habe nichts zu verbergen&#8220; schnell zur &#8222;ungewollten Meinung&#8220; werden. So werden einst harmlose \u00c4u\u00dferungen, Kontakte oder K\u00e4ufe im Buchhandel aus einem pl\u00f6tzlich einen &#8222;Staatsfeind&#8220; machen. Mit dem Anstieg an Radikalisierung in der Gesellschaft, wenn es weniger darum geht, wer das bessere Argument hat, sondern wer am besten l\u00fcgen und am lautesten schreien kann, mag man sich schnell w\u00fcnschen, dass die eigenen Daten eben nicht mehr Leuten zug\u00e4nglich w\u00e4re, denen man nicht vertrauen kann.<\/p>\n<p>Da ist der Fall der Frankfurter Anw\u00e4ltin Seda Basay-Ylidiz, die die Familie des ersten Opfers der rechten Terrorzelle NSU vertreten hat. Obwohl sie ihre Privatadresse nicht \u00f6ffentlich bekannt gemacht hat, bekam sie dorthin Morddrohungen an sich selbst, ihre Kinder und den Rest ihrer Familie adressiert. Morddrohungen mit Informationen die man nicht mit einer einfachen Google Suche h\u00e4tte herausfinden k\u00f6nnen. Es stellte sich heraus, dass die Daten von den Einwohnermeldebeh\u00f6rden abgerufen wurden und zwar von einem Polizeicomputer. Nach Untersuchung des Falls deckten die Beh\u00f6rden ein rechtsextremes Netzwerk innerhalb der hessischen Polizei mit nicht weniger als 38 Verd\u00e4chtigen auf. Doch die Morddrohungen gehen weiter. Der oder die T\u00e4ter sind bis heute nicht gefasst.<\/p>\n<h3>Datenschutz ernst nehmen<\/h3>\n<p>Unternehmen m\u00fcssen aufpassen, sich nicht zu Komplizen f\u00fcr den Datenhunger von Regierungen zu machen. Auch Google und Apple stehen in der Kritik, dass sie die Absher-App immer noch in ihren Appstores anbieten. Auf der einen Seite verlieren sie schnell das Vertrauen, wenn sie die Daten ihrer Kunden missbrauchen. Andererseits will man es sich auch nicht mit den Regierungen verscherzen. Wie immer lockt das Geld. Es k\u00f6nnten Auftr\u00e4ge verloren gehen oder das ganze Gesch\u00e4ftsmodell durch neue Gesetzgebung in Gefahr geraten. Es ist wichtig, ein Gleichgewicht der Kr\u00e4fte zu erhalten. Daf\u00fcr braucht es eine Zivilgesellschaft, die den Datenschutz nicht aus den Augen verliert. Eine Gesellschaft die sich nicht unt\u00e4tig zur\u00fcck lehnt und sich nicht mehr interessiert. Eine Gesellschaft, die ein wachsames Auge auf Unternehmen und die Regierungen hat und sich nicht von leeren Versprechungen einlullen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass wir jetzt alle unsere Smartphones und Alexas aus dem Fenster werfen m\u00fcssen. Allerdings sollten wir uns stets \u00fcber die Tragweite der Technologien bewusst sein, die wir benutzen. Das f\u00e4ngt schon im Kleinen an. Muss ich jeder App alle Zugriffsrechte geben? Brauche ich immer die &#8222;beste Userexperience&#8220; was meistens auch die gr\u00f6\u00dfte Datenweitergabe bedeutet? Allerdings, das hilft uns alles nichts, wenn der Datenmissbrauch auf einem ganz anderen Level stattfindet. Einem Level, bei dem eine Einzelperson kaum bis gar keinen Einfluss mehr hat, wie etwa in dem Fall der Anw\u00e4ltin Basay-Yildiz.<\/p>\n<p>Wir brauchen zumindest ein wachsames Auge und sollten nicht Leise sein. Dazu geh\u00f6rt auch, unseren gew\u00e4hlten Vertretern stets in Erinnerung rufen, was wir von ihnen verlangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn uns das Internet der Dinge etwas lehrt, dann dass Daten zu seinem wertvollsten Gut geh\u00f6ren. Unternehmen nutzen Sie, um Produktionsprozesse zu optimieren, die Logistik zu verbessern oder einfach den Output zu erh\u00f6hen. 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