Satelliten IoT: Vom Nischen-Add-On zum zweiten Netzwerk
Satellitenkonnektivität war im IoT lange ein Spezialwerkzeug: gut für entlegene Anlagen, Schifffahrt oder Forschung, aber zu teuer und zu eigenständig, um als Standardoption mitzuspielen. Seit Ende 2025/Anfang 2026 verschiebt sich das spürbar.
Mobilfunkanbieter behandeln Satelliten-IoT zunehmend als zweite Netzebene neben NB-IoT/LTE-M und 5G – als Versicherung gegen Funklöcher und Ausfälle. Die Deutsche Telekom positioniert sich dabei mit „Multi-Orbit“-Konnektivität, die terrestrisches NB-IoT mit Satellitenzugängen über GEO- und LEO-Orbits kombiniert.
Mobilfunk-IoT vs. Satelliten-IoT
Mobilfunk-IoT nutzt terrestrische Funkzellen (NB-IoT, LTE-M): in ausgebauten Regionen kosteneffizient, energiearm und operativ eng verzahnt mit SIM-Lifecycle, Provisionierung, Billing und Roaming. Satelliten-IoT verlagert den Funkzugang ins All: Sensoren und Tracker senden Daten zu Satelliten – klassisch über spezialisierte Module/Terminals, zunehmend aber auch über Funkmodule, die auf Non-Terrestrial Networks ausgelegt sind. Der Vorteil liegt in Abdeckung und Resilienz: Ozeane, Gebirge, dünn besiedelte Regionen und Krisensituationen werden „adressierbar“, wenn terrestrische Netze nicht verfügbar sind. Der Preis dafür sind anspruchsvollere Funkbedingungen (Antennendesign, Sichtverbindung), oft geringere Datenraten und – je nach Orbit – andere Latenz- und Energieprofile.
Warum das „zweite Netzwerk“ für Telkos attraktiv wird
Zwei Treiber stechen heraus: Marktwachstum und Erwartungsdruck aus der Industrie. IoT Analytics bezifferte 7,5 Mio. Satellite-IoT-Verbindungen für 2024 und erwartet bis 2030 rund 26% Wachstum pro Jahr auf über 4,7 Mrd. US-Dollar Marktvolumen (Connectivity und Equipment).Parallel wächst die Zahl der Deals: Die GSA nennt bis August 2025 bereits 170 öffentlich angekündigte Operator-Satelliten-Partnerschaften; ein Update spricht für Januar 2026 von 225 Partnerschaften in 88 Ländern und Territorien. Für Telkos ist das wirtschaftlich interessant, weil sie Satellit ohne eigene Space-Investitionen vermarkten können – und dabei Kundenschnittstelle, SLAs sowie Abrechnung im eigenen Portfolio halten.
3GPP-Standardisierung als Beschleuniger
Der Unterschied zu vielen früheren, proprietären Satelliten-IoT-Insellösungen ist die Standardisierung. 3GPP Release 17 ist der erste Release mit normativen Anforderungen für Non-Terrestrial Networks (NTN) und umfasst auch Spezifikationsarbeit, damit NB-IoT/eMTC (LTE-M) über Satellit nutzbar wird. Das senkt Integrationshürden: Core-Anbindung, Sicherheitsmechanismen und Geräteökosysteme lassen sich stärker an Mobilfunklogik ausrichten. Praktisch entsteht der Hybrid-Gedanke: Mobilfunk als Primärpfad, Satellit als zweiter Pfad.
„Coverage everywhere“ wird zur Ausschreibungsvoraussetzung
In Logistik, Energie, Landwirtschaft, Bau oder Public Safety wird IoT zunehmend grenzüberschreitend geplant. Wer IoT anbietet, muss erklären können, wie Tracker, Sensorik und Zähler auch außerhalb der Abdeckung funktionieren. Satellit wird damit zum Fallback und Lückenfüller: seltene Statuspakete, Alarmmeldungen und „Heartbeat“-Daten, wenn Mobilfunk nicht verfügbar ist. Dass sich diese Logik im Operator-Markt verankert, zeigt auch der Blick auf die Branchenstatistik: GSMA Intelligence zählte Ende September 2025 bereits 110 Operatoren/Operator-Gruppen mit aktiven Satelliten-Partnerschaften (67% des globalen Mobilfunkmarkts nach Connections).
Wer kooperiert mit wem?
Beim Multi-Orbit-Ansatz der Deutschen Telekom werden unter anderem Skylo Technologies, Sateliot, OQ Technology und Iridium Communications genannt. Vodafone wiederum erklärt, dass LEO-Konstellationen Satellitenkonnektivität in Richtung IoT-Services beschleunigen – und verweist auf Partnerschaften und Ausbaupläne im Umfeld von Satellite Connectivity. In Deutschland kooperiert o2 Telefónica mit Skylo für hybride, 3GPP-konforme NB-IoT-Satellitenkonnektivität. In Schweden startete Tele2 mit Skylo einen kommerziellen, 3GPP-basierten Satellite-IoT-Dienst. Und Orange nutzt Skylo für Direct-to-Device-Messaging und kündigt eine Ausweitung auf weitere Geräte sowie Enterprise-Use-Cases an. Im Direct-to-Cell-Umfeld kooperiert zudem Kyivstar mit Starlink, zunächst für SMS und perspektivisch für Voice/Data.
Was wird aus den „SIM-IoT“-Spezialisten – und was kostet das?
Für IoT-MVNOs und reine SIM-Connectivity-Anbieter bedeutet das nicht automatisch das Aus, aber die Rollen verschieben sich: Globales „Coverage everywhere“ wird eher zur Premium-Arena großer Telkos, die Satellit als zweite Netzschicht in Plattformen und Rahmenverträge integrieren. Gleichzeitig bleiben Spezialisten attraktiv, wenn Projekte regional sind, Preis pro Gerät zählt oder vertikale Integrationen (Gerätemanagement, Datenplattform, Rollout-Services) wichtiger sind als Weltabdeckung. Viele werden Satellit dann als zugeschalteten Baustein über Wholesale-Modelle einkaufen – statt ihn selbst als Kernversprechen zu tragen.
Kostenmäßig bleibt Satelliten-IoT in der Regel teurer als terrestrisches NB-IoT/LTE-M: Module, Zertifizierungen und Airtime liegen höher, und häufig wird nach Nachricht/Volumen abgerechnet. Wirtschaftlich wird es dort, wo Satellit nur bei Bedarf sendet (Fallback, Alarmierung, seltene Statuspakete) und damit Stillstand, Servicefahrten oder verlorene Assets vermeidet.













