Container im SAP-System: Hapag-Lloyd liefert die Position, die Regeln macht der Kunde
Die Positionsdaten von rund zwei Millionen Hapag-Lloyd-Containern fließen jetzt direkt in die SAP-Systeme der Kunden. Dort stehen sie neben Bestellungen und Lagerbeständen und lassen sich für die weitere Planung von Logistik und Produktion nutzen. Welche Schlüsse aus einer aktuellen Position folgen, überlässt die Reederei dem Kunden.
- Hapag-Lloyd übergibt die Positionsdaten seiner Container über das SAP Business Network an die S/4HANA-Systeme der Kunden.
- Neben SAP arbeitet die Reederei mit CargoWise, Lobster und Cargoo zusammen; SAP hat nach Unternehmensangaben die weitreichendere Integration.
- Handlungsempfehlungen z.B. bei Störungen sollen laut Hapag-Lloyd individuell auf Kundenseite entstehen, nicht bei der Reederei.
Im März berichteten wir, wie Hapag-Lloyd rund zwei Millionen Dry Container mit IoT-Trackern ausrüstete und daraus den Dienst Live Position formte („Ich weiß, wo mein Container ist“). Karsten Schmidt kündigte damals an, die Containerdaten künftig auch über Systeme wie SAP bereitzustellen. Diese Anbindung läuft jetzt. Schmidt verantwortet das Thema inzwischen als Director Smart Container Commercial.
Wie kommen die Containerdaten ins SAP-System?
Bisher erreichten die Positionsdaten den Kunden auf zwei Wegen: über eine Webseite oder über eine Schnittstelle, die Kunden selbst anbinden mussten. Wer disponieren wollte, wechselte also das Fenster oder programmierte. Über SAP Business Network Global Track and Trace landen die Daten nun in der Software, in der viele Verlader ohnehin arbeiten. Der Container erscheint dort neben Bestellung, Lieferschein und Lagerbestand. Eine Verspätung trifft damit auf die Daten, die sie betrifft. Das ist der Unterschied. Die Technik im Container blieb dieselbe. Der Weg zum Kunden wurde kürzer.
Wer bindet die Daten sonst noch an?
SAP ist nicht der einzige Partner. Hapag-Lloyd arbeitet nach eigenen Angaben außerdem mit CargoWise von WiseTech Global, mit Lobster und mit Cargoo zusammen. Die Partner unterscheiden sich in der Tiefe. „SAP ist gerade sehr aktiv und hat eine weitreichendere Integration als CargoWise“, sagt Schmidt. „Dennoch sehen wir beide Partner als gleichwertig an.“ Für Kunden folgt daraus: Wie viel die Containerdaten im eigenen Betrieb wert sind, entscheidet weniger die Reederei als die Software, die sie empfängt. Hapag-Lloyd liefert überall dieselben Positionen. Was daraus wird, bestimmt die Integration.
Was steckt in einer Position?

Karsten Schmidt, Director Smart Container Commercial bei Hapag-Lloyd
Die Positionen im Datenstrom stammen aus zwei Quellen. An Land melden sich die Tracker in den Containern alle 15 Minuten selbst und bestimmen ihren Standort über Satellitennavigation. Auf See fragt Hapag-Lloyd das Schiff, hier werden die Standortdaten alle sechs Stunden übertragen. Der Grund ist Strom. „Für den Seetransport nehmen wir die Schiffsdaten, um die Batterie der Tracker zu schonen“, ergänzt Schmidt.
Ein Container liegt oft wochenlang an Bord. Jede Meldung in dieser Zeit kostet Energie und liefert nichts, denn wo das Schiff fährt, weiß die Reederei ohnehin. Dieselbe Rechnung begrenzt die Auflösung an Land: Ein Tracker, der beim Verlassen eines Gebiets plötzlich häufiger senden soll als die Voreingestellten 15 Minuten, müsste dafür regelmäßig auf individuelle Befehle reagieren. Senden dauert Millisekunden.
Empfangen verlangt ein Zeitfenster, in dem das Funkmodul auf diese Befehle lauscht, und dieses Lauschen zehrt an der Batterie. Deshalb lässt sich das Sendeintervall vom Kunden während des Transports aktuell nicht individuell anpassen. Hapag-Lloyd sucht einen Weg daran vorbei. Die Reederei arbeitet daran, dem Gerät zu Beginn einer Reise ein Profil zuzuweisen, das sein Verhalten anpasst.
Der Tracker bekäme seine Regeln also vorab mit, statt sie unterwegs zu empfangen. Ob ein Kunde erkennt, welche Quelle hinter einer einzelnen Position steckt, hängt von seiner eigenen Konfiguration ab. Das gehe darauf zurück, was der Kunde in seinem System einstelle und welche Daten er beziehe, sagt Schmidt.
Was die Sichtbarkeit im Persischen Golf brachte
Wie viel eine Position wert ist, zeigte sich, als rund 15.000 Container im Frühjahr aufgrund des Iran-Krieges im Persischen Golf festsaßen. Hapag-Lloyd öffnete Live Position damals auch für Kunden, die den Dienst nie gebucht hatten. Helfen konnte die Reederei kaum. „Wir konnten operativ wenig tun, da die Schiffe ja nicht passieren durften“, sagt Schmidt. Kein Datenpunkt bewegt ein Schiff durch eine gesperrte Passage.
Der Nutzen entstand anderswo. „Die Kunden konnten aber sehen, wo die Container und ihre Ladung waren, und somit alternative Szenarien aufbauen“, sagt Schmidt. Wer wusste, dass seine Ware Wochen später eintrifft, disponierte um, informierte Abnehmer oder kaufte anders ein. Genau hier liegt das Argument für die ERP-Anbindung. Die Sichtbarkeit half denen, die daraus etwas machten. Und sie machten es in ihren eigenen Systemen.
Wer entscheidet, was zu tun ist?
Bleibt die Frage, die im März offen blieb: Ein Container steht. Was nun? Hapag-Lloyd beantwortet sie nicht. Handlungsempfehlungen dauerten noch eine Weile und hingen stark von den Prozessen der Nutzer ab, sagt Schmidt. „Es wird wahrscheinlich so sein, dass diese individuell auf Kundenseite definiert werden, anstatt von HLAG vorgegeben zu werden.“
Das klingt zurückhaltend, folgt aber der Sache. Ein Automobilzulieferer mit drohendem Bandstillstand reagiert anders als ein Möbelhändler. Wer beiden dieselbe Empfehlung gibt, trifft keinen von beiden. SAP füllt die Lücke von der anderen Seite. Künftig sollen Nutzer die Software nach Handlungsalternativen fragen können, etwa nach einem anderen Verkehrsmittel. Sven York Pohl, Chief Expert Digital Adoption bei SAP, nannte gegenüber CIO als Ziel, dass „mir die KI konkrete Handlungsoptionen vorschlägt“.
Dafür soll SAPs KI-Werkzeug Joule zum Einsatz kommen. Die Arbeitsteilung ist damit verteilt. Hapag-Lloyd liefert Positionen. Der Kunde formuliert die Regeln. Die Software dazwischen entscheidet, wie leicht ihm das fällt. Damit wird die Integrationstiefe der Partner zur eigentlichen Stellschraube.
Fazit
Zwei Millionen vernetzte Container waren die Investition. Die SAP-Anbindung macht daraus einen Betriebsstoff, weil die Daten dort ankommen, wo Verlader ohnehin disponieren. Den zweiten Schritt geht Hapag-Lloyd nicht mit. Was aus einer Verspätung folgt, entscheidet der Kunde in seinem eigenen System. Die Reederei liefert die Position. Die Auswertung macht der Kunde.
Hapag-Lloyd übergibt die Positionsdaten seiner Container über SAP Business Network Global Track and Trace an die S/4HANA-Systeme der Kunden. Dort erscheinen sie neben Bestell- und Lieferdaten, statt nur auf einer separaten Webseite sichtbar zu sein.
Neben SAP nennt Hapag-Lloyd CargoWise von WiseTech Global, Lobster und Cargoo als Integrationspartner. SAP hat nach Angaben des Unternehmens derzeit die weitreichendere Integration, gilt aber nicht als bevorzugter Partner.
Auf See nutzt Hapag-Lloyd die Positionsdaten des Schiffes statt der Container-Tracker. Das schont die Batterie der Geräte, die sonst wochenlang Meldungen ohne zusätzlichen Erkenntniswert senden würden.
Bisher nicht. Ein Tracker müsste dafür regelmäßig Daten empfangen, und dieser Empfangsbetrieb verbraucht deutlich mehr Energie als das Senden. Hapag-Lloyd arbeitet daran, den Geräten zu Beginn einer Reise ein Profil zuzuweisen, das ihr Verhalten anpasst.
Der Reederei selbst wenig, weil sie ein blockiertes Schiff nicht bewegen kann. Den Verladern nutzt die Sichtbarkeit dagegen, weil sie ihre Ware lokalisieren und darauf aufbauend andere Transport- oder Beschaffungswege planen können.











